08-16 Mai April

Haut, Stein

Diese künstlerische Arbeit rückt den Umgang mit nationalsozialistischen Symbolen bis heute in den Blick. Sie hinterfragt das Verbleiben, Verwenden und Verwischen einschlägiger Zeichen aus zwei Perspektiven: In Form von Architektur und baulichen Ornamenten schreibt sich die Symbolik des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum fort. Als Tätowierungen dienen diese Zeichen dem individuellen Bekenntnis zum Rechtsextremismus.

Der Künstler Jakob Ganslmeier porträtierte ehemalige Neonazis in ihrem Prozess des Ausstiegs und zeigt die Entfernung oder Verfremdung von zum Teil großflächigen Tätowierungen. Symbole, die bis dahin jahrelanger Ausdruck der eigenen Identität und politischen Weltanschauung waren, verschwinden. Die Entfernung der in die Haut eingeschriebenen Zeichen ist ein sehr bewusster Schritt für die Aussteigenden; er ist kostspielig, langwierig und schmerzhaft.

Schwarz-weiß-Fotografien verweisen auf historische NS-Symbole im Außenraum, die trotz Entnazifizierung belassen wurden oder nach Versuchen der Verfremdung noch immer erkennbar sind. Sie zeigen die Zeichen oder ihre Spuren im Einzelnen an Häusern, Schmuckbändern, Fassaden sowie in ihrem räumlichen Zusammenhang im Dorf, an Straßen, in Siedlungen.

Über drei Jahre lang begleitete Jakob Ganslmeier für dieses Projekt intensiv die Arbeit von Exit-Deutschland. Ergänzend zu den Porträts, die die Abwendung von der rechtsextremen Szene und den Prozess der Deradikalisierung fotografisch dokumentieren, führte er mit den Aussteigenden Interviews. Für die Ausstellung ist daraus im Auftrag von Exit-Deutschland ein Podcast entstanden, der die Personen hinter den Fotografien sichtbar macht. Fünf Männer und zwei Frauen erzählen von ihrem Ein- und Ausstieg: über Gründe, Zweifel, von der Entscheidung bis zum Bruch mit der Neonazi-Szene, von ihrem Leben nach dem Ausstieg und der Entfernung von Szenetattoos. Eingesprochen wurden die Geschichten von Felix Lobrecht, Patrik Salmen, Julia Gamez Martin, Steffen Schroeder, Felix Römer, Ariane Baborie und Kai Lüftner.

Das Gesamtprojekt stellt die individuellen Geschichten in einen gesellschaftlich-politischen Zusammenhang – und an uns alle die Frage: Wie vergangen ist die deutsche Vergangenheit?

Der Präsentationsort in Weimar ist nicht zufällig gewählt. Die Ausstellung steht neben nationalsozialistischen Bauten: dem ehemaligen „Gauforum“, mit der die Thüringer NSDAP-Gauleitung architektonisch ihren Machtanspruch und die „Volksgemeinschafts“-Ideologie inszenierte. Im Südflügel des ehemaligen Gauforums wird 2023 das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora einziehen und – wie schon das benachbarte Bauhaus-Museum – einen bewussten Kontrapunkt zur NS-Geschichte des Quartiers setzen.

Diese Außenausstellung wurde initiiert von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Sie entstand zum 76. Jahrestag der Befreiung der KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora und in Kooperation mit Exit-Deutschland.

Ausstellung mit Fotografien von Jakob Ganslmeier, in Kooperation mit Exit-Deutschland

17:00 Uhr

08. April: Eröffnung - Stéphane-Hessel-Platz, Weimar